Vorschäden mit dem Öl wieder "ausbügeln". Hochleistungs-Getriebeöle punkten bei der Verschleißreduzierung in Getrieben
Wenn ein herkömmliches Industriegetriebeöl der Klasse CLP den Belastungen nicht mehr gewachsen ist, geht dies zu Lasten der Anlage. Graufleckigkeit, Pittings, Riefen und Ausbrüche der Zahnflanken können durch einen ungeeigneten Schmierstoff begünstigt werden. Fällt ein Getriebe aus, sind die Auswirkungen auf den gesamten Betrieb oft erheblich. Mit dem Einsatz eines modernen Hochleistungs-Getriebeöls kann gezielt gegengesteuert werden.
Getriebe übertragen und übersetzen Energie, Bewegungen und Kräfte. Dabei arbeiten sie unter vielfältigen, häufig extremen Bedingungen. Im Betrieb spielt der Schmierstoff eine entscheidende Rolle. Er ist ein Konstruktionselement und ausschlaggebend für die Performance sowie die Lebensdauer der Getriebe und damit für die Effizienz und Sicherheit der gesamten Aggregate. Die Wahl des Getriebeöls ist elementar und muss mit großer Sorgfalt getroffen werden. In Industriegetrieben kommen in der Regel Getriebeöle nach DIN 51517 Teil 3 (CLP-Öle) zum Einsatz. Doch nicht immer sind sie den hohen Anforderungen auch tatsächlich gewachsen.
Diese Erfahrung mussten auch die Instandhalter eines Walzwerks machen. Das Kammwalzgetriebe eines Duo-Walzgerüsts wurde mit einem Industriegetriebeöl CLP geschmiert und ordnungsgemäß gewartet. Trotzdem wurden bei einer Inspektion alarmierende Schäden festgestellt. Aufgrund der nicht ausreichenden Tragfähigkeit des verwendeten Öls hatten sich Pittings gebildet. Sie wiederum führten zu großen Flankenausbrüchen, deren Fortschreiten nicht mehr zu stoppen war. Rasiermesserscharfe Kanten und Grate waren deutlich sicht- und auch fühlbar. Alles deutete auf einen baldigen Ausfall des Getriebes durch Wälzlagerfolgeschäden hin.
Im Januar 2003 kam es dann tatsächlich infolge des Durchlaufs von Metallabrieb zum Ausfall der Wellenlagerungen. Beim Öffnen des Getriebes zeigte sich, dass der Metallabrieb bereits mehrere Kilogramm betrug. Da entsprechende Ersatzteile nicht eingelagert und auch nicht so schnell lieferbar
waren, drohten ein Stillstand und hohe Reparatur- sowie Folgekosten.
Unter diesen Voraussetzungen nahmen die für die Instandhaltung Verantwortlichen Kontakt mit ADDINOL auf. Nach einer eingehenden Begutachtung des geschädigten Getriebes hielten die Schmierstoff-Ingenieure den Weiterbetrieb für durchaus möglich. Die Voraussetzung lautete jedoch: Sofortige Umstellung auf ADDINOL Eco Gear 220 M. Ein Spülen des Getriebes ist beim Einsatz des Hochleistungs-Getriebeöls in der Regel nicht notwendig. Wegen der starken Belastung mit Metallabrieb wurde es in diesem Fall jedoch durchgeführt.
Bei der ersten Inspektion des Getriebes, sieben Monate nach dem Ölwechsel, zeigte sich bereits ganz deutlich: Der Zustand der Zahnflanken hatte sich nicht weiter verschlechtert. Die noch lasttragenden Flankenanteile waren eingeglättet und liefen stabil. Der Zustand der Zahnflanken wurde anhand von Fotos dokumentiert. Nach dieser ersten Bestandsaufnahme erfolgten weitere jährliche Inspektionen. Außerdem wird der Einsatz des Getriebeöls durch regelmäßige Schmierstoffanalysen eines unabhängigen Labors überwacht. 2005 wurde das Getriebe erneut mit Frischöl befüllt.
Dabei wurde ohne Rücksprache mit der Instandhaltung ein Ölwechsel vorgenommen worden. Es wurde ein herkömmliches Industriegetriebeöl CLP verwendet. Als sich bereits nach kürzester Zeit erneut Rauigkeiten auf den Zahnflanken zeigten, erfolgte umgehend eine Neubefüllung mit dem Hochleistungsgetriebeöl von ADDINOL.
Die aktuell letzte Inspektion erfolgte Ende 2010. Hierbei wurde festgestellt, dass sich das Schadensbild seit dem Ölwechsel im Januar 2003 deutlich verbessert hat, die Einglättung der vorhandenen Vorschäden (Fresser/Pittings/ Schiebekante im Wälzkreis) ist gut sicht- und fühlbar. Sie ist seit Jahren abgeschlossen.
Zudem wurde festgehalten, dass der Schadensverlauf durch den Einsatz des Hochleistungsgetriebeöls vom progressiven in den degressiven umgewandelt werden konnte. Außerdem ist der bei den jährlichen Inspektionen festgestellte Zustand der Verzahnung des Getriebes konstant.
Das Ergebnis der begleitenden Schmierstoffanalyse bestätigte den Befund. Das unabhängige Labor dazu: „ Die Verschleißwerte sind deutlich gesunken. Viskosität und Additivierung liegen innerhalb des normalen Bereichs.“
Möglich wurde dieses Ergebnis, weil Eco Gear so manchen Vorschaden wieder „ausbügelt“. Das Produkt, das auf Mineralölbasis und synthetischer Basis angeboten wird, verfügt laut Hersteller über eine besondere Wirkstoffkombination. Dank dieses Additivpackages passen sich diese Öle den wechselnden Belastungsverhältnissen in der Verzahnung an.
Dies bewirkt laut Hersteller einen nahezu verschleißfreien und reibungsreduzierten Lauf. Beim Einsatz in Neugetrieben wirken die Hochleistungsgetriebeöle sogar von Anfang an gegen die Bildung von Verschleiß. Die Schmierstoffe erfüllen bzw. übertreffen die Anforderungen der Spezifikationen DIN 51517-3, ISO 12925-1.
Artikel erschienen in Betriebstechnik & Instandhaltung 02/2011 (für Artikel hier klicken)


